Von Carsten Wriedt
Wer gerade urlaubend an einem noch unbekannten Ort weilt, kann am 15. August überrascht werden: staatlicher Feiertag oder nicht? Das kirchliche Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel hat es nicht flächendeckend zur Feiertagsregelung gebracht. Also gilt es herauszufinden, ob nicht nur die Kirche geöffnet ist.
Überhaupt lohnt es sich, gut informiert mit diesem Fest umzugehen. Seit dem 5. Jahrhundert in der Ostkirche gefeiert, wurde die „Aufnahme Mariens in den Himmel“ bald in der ganzen Kirche fester liturgischer Bestandteil. Im Rang eines Hochfests – also Stufe an Wichtigkeit und Festlichkeit innerhalb der Inhalte im Jahreslauf – feierten die Christen dieses Fest weltweit.
Ein Fest der Erlösung. Das Dogma weist darauf hin: „Mit Leib und Seele.“ Der Leib ist die psychosoziale Brücke vom seelischen Innenleben in die Welt. Der Mensch nimmt körperlich-sinnlich wahr: Nicht nur hörend und sehend, auch riechend, schmeckend und fühlend. Die Seele braucht diese Informationen und teilt sich wiederum körperlich mit. Wir sehen es einem Menschen an, ob er freudenstrahlend, gebeugt von Last und Sorge, gesund oder krank ist. Gleichermaßen nehmen wir wahr, wenn uns jemand etwas „vormachen“ will: Die Fassade einer gespielten Befindlichkeit wird durch den Körper, oftmals unbewusst, anderen mitgeteilt.
So ist dieses Fest bei aller Fokussierung auf Maria ein Loblied auf die Leiblichkeit des Menschen. Nicht, dass wir davon ausgehen können – oder müssen? -, genau mit dem uns bekannten Körper im Himmelreich weiterzugehen. Nach 2. Korinther 5 („Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel“) dürfen wir von einer neuen Gestalt ausgehen. Einer neuen Form, mit der wir Gottes Herrlichkeit wahrnehmen und vereint in der Gemeinschaft der „Himmlischen Heerscharen“ im Lobpreis jubeln und singen können.
Maria ist als erster erlösungsbedürftiger Mensch vorausgegenagen – als Verheißung, dass Gottes Barmherzigkeit diesen Weg will und möglich macht, damit das Trennende von Welt und Himmel durch seine Liebe überwunden wird.
in: BKZ am 15.08.2026
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