Von Ulrike Arlt-Herberts
Ich habe einen Kalender, der „Was mein Leben reicher macht“ heißt (den für 2027 besitze ich auch schon). Dieser Kalender bereitet mir täglich große Freude, da er schöne Geschichten für jeden Tag enthält. Beispielsweise erzählt auf einem Kalenderblatt ein Mann, dass er sich jeden Tag mit einem Eichhörnchen unterhält. Eine Frau, die aus der Ukraine flüchten musste, schreibt, dass sie den Mut hatte, im Park eine Dame im Rollstuhl anzusprechen und zu bitten, ob sie mit ihr Deutsch üben könne. Seitdem verbindet beide eine tiefe Freundschaft. Oder es ist die Rede von einem alten Herrn, 99 Jahre alt, der in den Ferien in Kurzzeitpflege war und danach nicht mehr nach Hause wollte, da er sich im Pflegeheim in eine gleichaltrige Frau verliebt hatte.
Ich liebe Geschichten. Jesus selbst war ein wunderbarer Geschichtenerzähler, ein narrativer Theologe, ein erzählender Gottesredner. Mit einfachen, aber nicht dümmlichen Worten konnte er den Menschen die tiefe göttliche Wahrheit nahebringen. Er beherrschte die Sprache der einfachen Menschen, kannte ihre Bilderwelt und ihre Vorstellungen, ihre Sehnsüchte und Nöte.
Ich meine, dass auch wir, Sie und ich, dazu aufgefordert sind, für schöne und gute Geschichten zu sorgen, die den Menschen guttun. Den Verschwörungsplappereien, den hässlichen Worten, der diskriminierenden Sprache der demokratiefeindlichen und die Demokratie zerstörenden Partei, die mit einem Vokal beginnt, dürfen alle Menschen guten Willens eine menschenfreundliche und konstruktive Sprache entgegenhalten, eine Sprache, die weiterhilft, Worte, die andere zum Lachen bringen, eine verbindende Sprache, ein Sprechen, das dem anderen vorher zugehört hat.
Der jüdische Theologe Yuval Lapide erinnert uns daran, dass es unsere Aufgabe ist, für gute Worte und Geschichten zu sorgen: „Bis du nicht das Gute in einem Menschen siehst, bist du unfähig, ihm zu helfen. Wenn du schlecht über jemanden redest, stellst du eine Fülle von Hässlichkeit bloß – an ihm, an dir selbst und an jedem, der gerade zuhört. Wenn sie (die Hässlichkeit) einmal bloßgelegt ist, wird diese Wunde eitern und alle Beteiligten werden leiden. Sprich gut von dieser Person und das innere Gute in ihr, in dir und in allen Beteiligten wird zu leuchten beginnen.“ Schabbat Schalom!
in: BKZ vom 01.08.2026
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