Von Josef Klein

Der Regenbogen mit seinen Farben und der Verbindung von Regen und Sonne fasziniert mich. Er umspannt uns, nicht als Zelt, eher als Band zwischen Erde und Himmel. In den vergangenen heißen und trockenen Sommermonaten habe ich den Regenbogen nicht erleben können. Die Sonnenhitze trocknete den Boden aus; oft hoffte ich vergeblich auf Regen. Wenn dann Gewitterregen niederprasselte, konnte der Boden den Starkregen nicht aufnehmen. Auch das Grundwasser konnte nicht aufgefüllt werden. Das machte und macht mir Sorgen. Angst machten mir die Meldungen über Waldbrände. Sorgenvoll sah ich, dass Menschen in der Hitze arbeiten mussten, unter anderem Handwerker, Straßenbauer oder Pflegekräfte. Bei all dem war kein Platz für den Regenbogen.

Der Regenbogen fasziniert mich auch wegen Noah. Von Noah erzählt die Bibel, dass  er angesichts der drohenden Flutkatastrophe mit dem Bau der Arche das Leben schützen will. Ob es gelingen wird? Er weiß es nicht. Seine Nachbarn verlachen ihn. Dennoch tut er zusammen mit seinen Leuten alles dafür, dass das Leben weitergehen kann. Als dann Noahs Arche nach der Flut wieder Land gewinnt, kann das Leben sich neu orientieren. Gott gibt denRegenbogen als Zeichen, dass er die Erde nicht mehr vernichten wird.

Die Bibel sagt, weil Menschen sich nicht an Gottes Gebote halten, bestraft er sie. Mit unserem heutigen Wissen über Gott und die Welt hat sich das Bild von Gott verändert. Gott ist nicht der Herrscher, der helfend oder strafend in unser Tun eingreift. Er hat die Welt erschaffen; sie unterliegt sowohl im Kosmos als auch in der Natur gewissen Gesetzmäßigkeiten, die unser Leben ermöglichen. Wenn wir diese Gesetzmäßigkeiten, die Bibel nennt sie Gottes Gebote, nicht respektieren, zerstören wir Lebensgrundlagen. Das erleben wir ganz aktuell im Klimawandel. Kein strafender Gott, kein böses Schicksal verursachen die schrecklichen Schäden. Verursacht sind die Schäden, durch die Art, wie wir mit dem CO2-Ausstoß umgehen. Das Wir ist mir hier sehr wichtig. Wenn es um Maßnahmen zur Klimaanpassung geht, sind manche Beschäftigte, etwa in der Autoindustrie, stärker von Verlusten betroffen als andere. Sind wir anderen bereit, für diese Menschen einen Solidarbeitrag zu bezahlen? Schimpfen wir als Volk nur einfach auf die da oben oder wählen wir Parteien, die langfristige, aktuell schmerzhafte Reformen anstreben? Unterstützen wir als Volk Menschen in Initiativen und Parteien, die die Steuervorteile für Reiche und sehr Reiche abbauen wollen, um die Klimaanpassung gerechter zu finanzieren?

In dem Wir bin ich ein kleines Ich. Aber gegen meine Mutlosigkeit helfen mir Noah und sein Team, auch der Regenbogen Gottes und die vielen Initiativen, die mit den Regenbogenfarben voller Hoffnung für ein gelingendes Leben eintreten.

in: BKZ vom 17.10.2026