Von Josef Klein

Multiple Krisen – der Begriff fasst die Probleme zusammen, unter denen wir in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft leiden. Die Probleme zeigen, wie wir weltweit verbunden sind. Deshalb kann eine Nation allein keine Lösung finden. Aber einige respektlose Machthaber in der Welt setzen nur ihr Interesse durch, zum Schaden vieler Menschen, auch in ihrem Land. Menschenrechte und Völkerrechte scheinen wertlos zu sein. Es entsteht der Eindruck, der Stärkere setzt sich auf Kosten anderer durch. Das macht mir Angst. Das will ich so nicht. Aber wo finde ich für das, was ich möchte, Orientierung?

Eine Orientierung finde ich in den Zehn Geboten der Bibel. Die Gebote sind entstanden, als das Volk Israel mit Gottes Hilfe und dem mutigen Mose aus der Sklaverei geflohen ist. Nach der Flucht musste man Regeln für das Zusammenleben festsetzen. Nicht der Stärkere sollte sich durchsetzen, sondern es sollte gut und gerecht für die Gemeinschaft sein. Interessant ist, dass es in den Geboten nicht heißt „du musst“, sondern „du sollst“. Das macht deutlich: Glaubende Menschen sind nicht fundamentalistisch an das Gebot gebunden. Sie haben Entscheidungsmöglicheiten, wie sie das Ziel für ein gutes und gerechtes Zusammenleben umsetzen wollen.

So galt das Gebot „Du sollst nicht töten“ nicht im Verteidigungskrieg. Aber was verteidigt Russland in der Ukraine, was die USA im Iran? Verteidigt sich Israel nur gegen die Hamas, nur gegen die Hisbollah?

„Du sollst deine alten Eltern ehren“ meinte damals eine angemessene Versorgung der Alten. Aber sichern wir heute im reichen Deutschland die Kosten für eine auskömmliche Rente und Pflege?

„Du sollst nicht falsch aussagen gegen deinen Nächsten.“ Die vielen Falschaussagen – sowohl öffentlich als auch privat – zerstören Vertrauen. Das macht mich hilflos, ich frage mich, wem ich noch vertrauen kann. In Politik und Medien wünsche ich mir Menschen, die Falschaussagen aufdecken und keine Falschaussagen benutzen. Ich möchte vorsichtig sein und zunächst  nicht alles für wahr halten, was man mir so sagt.

„Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren oder igendetwas, das deinem Nachbarn gehört.“ Das Gebot formuliert einen Wert, der die Lebensmöglichkeiten eines Menschen und seiner Lieben schützt. Das gilt unter Nachbarn, gilt auch bei Diebstahl, der unsere Sicherheit bedroht und den Dieb bestraft. Das Gebot sichert Lebensgrundlagen, unter anderem auch in Gaza, im Libanon, im Iran, in der Ukraine. Denn so wie Diebstahl sollen auch Völkerrechtsverstöße bestraft werden.

Die Gebote geben mir Orientierung: Sie sind zu einer Zeit entstanden, als Israel als Volk gerecht und gut zusammen leben wollte. Die Menschen in biblischen Zeiten wussten wie wir heute, was ein gutes und gerechtes Zusammenleben ausmacht. Dass wir Christenmenschen zusammen mit Menschen guten Willens mutig wie Mose für ein solches Zusammenleben eintreten, das wünsche ich mir und uns.

in: BKZ vom 11.07.2026