Von Carsten Wriedt

Viele Kirchen tragen das Patronat dieser beiden Apostel: Über lange Zeit war ich selbst am Deutschordensmünster St. Peter und Paul in Heilbronn tätig und die beiden Namensgeber regten immer wieder mein Nachdenken an.

Petrus: ein begeisterungsfähiger Apostel, der sein Temperament nicht ohne Weiteres zu zügeln wusste. Er wollte sich nicht die Füße waschen lassen. Wenn er überhaupt den Dienst Jesu annimmt, „dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt“ (Johannes 13,9). Fasziniert, wie Jesus über das Wasser läuft, will er es ihm gleichtun – er läuft los, doch der Glaube trägt ihn noch nicht (Matthäus 14,22). Als Jesus seinen Leidensweg ankündigt, versteht Petrus den Zusammenhang nicht und sagt: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht geschehen!“ (Matthäus 16,23) Da wird sogar Jesus heftig und reagiert: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!“ (Matthäus 16,23)

Paulus (zunächst Saulus): ein gebildeter Pharisäer, mit dem jüdischen Gesetz bestens vertraut. Er steigert sich in die Gegnerschaft zu Jesu hinein: „Saulus wütete.“ Er erbat sich vom Hohepriester Briefe, um die Anhänger Jesu „zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen“ (Apg 9,2).

Kann Christus für sein Reich solch aufbrausende Temperamentsbolzen gebrauchen? Ja, er lässt sie sogar „aufeinander los“: In Antiochia kommt es zu einem Treffen. Paulus schreibt: Da „widerstand ich ihm ins Angesicht“ (Gal 2,11). Hier wurde Klartext geredet, wahrscheinlich wurde es laut.

Schlussendlich gingen beide den missionarischen Weg weiter. In ihrer Verschiedenheit und gleichermaßen Verbundenheit durch das Anliegen, Christus zu verkünden – seine Botschaft von der Liebe in die Welt zu tragen. Wäre Paulus nicht so offensiv in die Gebiete der Heiden gereist, hätte er die Nöte des Unterwegssein nicht auf sich genommen – dann wäre das Christentum nicht bei uns angekommen.

Ich schaue gern auf Petrus und Paulus: Sie stehen für Temperament, Leidenschaft und persönliches Zeugnis. Sie sind in ihrer Unterschiedlichkeit zum Fundament der Christenheit geworden, das auch heute keine Angst vor vielfältiger Verschiedenheit haben muss, solange sich die Akteure um Christus als Zentrum verbinden und in seiner Liebe vereinen lassen.

in: BKZ vom 27.06.2026