Von Klaus Herberts

Sowohl für Partnerschaft und Familie als auch für Beruf und Ehrenamt gibt es eine Übung, wie sich die Kommunikation und das Zuhören verbessern lassen: Eine Person spricht für eine festgelegte Zeit. Die andere Person darf nichts sagen, macht sich keine weiterführenden Gedanken, hört nur zu. Dann gibt die zuhörende Person wieder, was sie verstanden hat. Nun erst darf sich die zuhörende Person eigene Gedanken machen und die Rollen werden getauscht. Oftmals besteht die Gefahr, dass die eigenen Gedanken sprudeln, dass man die andere Person unterbricht oder zumindest – statt richtig zuzuhören – bei den eigenen Gefühlen ist und bei dem, was man dazu sagen will, statt beim anderen.

Auch für das Gespräch mit Gott könnte das ein Ansatz sein. „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet“ (Matthäusevangelium 6,7 bis 8, Ökumenische Einhetsübersetzung 1980). Wissen wir denn auch, was Gott möchte, und hören wir ihm aufmerksam zu?

Thema des morgigen deutschlandweiten ökumenischen Bibelsonntags ist das Gebet der Ester aus dem gleichnamigen alttestamentlichen Buch. Der Bibelsonntag will die Bibel als gemeinsames Fundament aller Christinnen und Christen  – und dazu jedes Jahr ein anderes biblisches Buch – in den Mittelpunkt rücken.

Für das Gespräch mit Gott gibt es vielfältige Möglichkeiten. Wie Ester kann man Gott um etwas bitten. Ester bittet Gott unter anderem dafür, dass er sie von ihren Ängsten befreien möge und um Mut zum Handeln. Tatsächlich rettet Ester die deportierten Israeliten durch ihr Gebet und durch ihr mutiges, gesetzwidriges Handeln.

Laut dem Philosophen und Kirchenvater Augustinuns beten die, die singen, doppelt. Auch (religiöse) Lieder zu singen ist also eine Form des Betens.

Wie bei manchen weiteren Formen wie dem vertrauten Gespräch mit einem guten Freund oder einer guten Freundin geht es beim Beten nicht nur ums Sprechen, sondern auch um das Zuhören – darum, in der Stille zu hören auf das, was Gott mir sagen will.

BKZ am 24.01.2026