Tanz trifft Orgelklang: Echtzeitkomposition in der Christkönigkirche Backnang


Ein besonderer Abend erwartet das Publikum am 1. März um 18 Uhr in der Christkönigkirche am Seelacher Weg in Backnang: Zwei außergewöhnliche Tänzerinnen begegnen der Orgelmusik in einem Format, das so lebendig wie unvorhersehbar ist. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Die Tänzerinnen Martina Gunkel und Claudia Senoner widmen sich der sogenannten Echtzeitkomposition – einer Form der Improvisation, bei der Tanz und Bewegung unmittelbar im Moment entstehen. Ohne festgelegte Choreografie entwickelt sich vor den Augen der Zuschauerinnen und Zuschauer ein ständig wandelndes, dynamisches Geschehen. Kontrolle und Zufall, Struktur und Spontaneität treten in einen fortwährenden Dialog. Jeder Augenblick ist einzigartig, jedes Detail entsteht neu aus der Situation heraus.

Begleitet werden sie von der Organistin Susanne Obert, die Werke von Sofia Gubaidulina („Hell und Dunkel“), Mauricio Kagel („Rrrrrr“) und Philip Glass („Mad Rush“) spielt. Die Musik dieser Komponistinnen und Komponisten, die selbst mit Klang, Struktur und Wahrnehmung experimentieren, bildet einen idealen Resonanzraum für die improvisierte Bewegung. So entsteht ein intensives Zusammenspiel von Raum, Klang und Körper.

Martina Gunkel studierte Modernes Tanztheater an der Fontys Hochschule für Kunst in Tilburg (NL). Seit 2017 arbeitet sie als freischaffende Tänzerin und Choreografin in Deutschland und den Niederlanden. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Tanzprojekte im öffentlichen Raum, unter anderem mit der niederländischen Gruppe vloeistof, mit Willi Dorner und Yolanda Gutiérrez. Ihre erste Choreografie „It is there. Around the corner.“ wurde bei Theatern und Festivals in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Belgien und Jordanien gezeigt.

Claudia Senoner ist Choreografin, Performerin und Tanzdozentin. In ihrer künstlerischen Arbeit verbindet sie ihr profundes Wissen über den klassischen Tanz mit einem ausgeprägten experimentellen Forschungsdrang. Sie choreografierte für Theater und Oper und entwickelte ihre eigene Bewegungssprache in Zusammenarbeit mit Komponisten, Filmemachern und Videokünstlern. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sie über 25 abendfüllende Stücke geschaffen und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kulturförderpreis Tanz der Stadt München. Aktuell liegt ihr Fokus auf Improvisation, Site-specific Dance und Performance.

Susanne ist seit Juli 2025 Kirchenmusikerin der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Backnang, Dekanatsmusikerin für das Dekanat Rems-Murr und Regionalkantorin. Ihre Offenheit für zeitgenössische Musik, klangliche Experimente und improvisatorische Prozesse macht sie zur idealen musikalischen Partnerin für dieses außergewöhnliche Zusammenspiel von Orgelklang und Echtzeitkomposition im Tanz.

Die besondere Architektur der Kirche wird an diesem Abend selbst Teil der Performance. Der sakrale Raum, der Orgelklang und die improvisierte Bewegung verbinden sich zu einer atmosphärisch dichten Erfahrung, die sich bewusst zwischen Konzert, Tanzperformance und Raumkunst bewegt.
Das Publikum ist eingeladen, sich auf diesen offenen Prozess einzulassen und mitzuerleben, wie Musik und Bewegung im Hier und Jetzt zueinanderfinden – einmalig, flüchtig und intensiv.