von Ulrike Arlt-Herberts

Eines der wichtgsten Anliegen im Fach evangelische und katholische Religion ist es, anhand von Lebensgeschichten konkreter Menschen Kluges, Wichtiges und Vorbildhaftes in Bezug auf gutes und geistliches Handeln aufzuzeigen. Für mich als katholische Religionslehrerin ist es dabei immer wieder auch traurig, wenn ich zu den Schülern und Schülerinnen sagen muss: „Jahrhundertelang hat sich die Kirche nicht besonders für das Denken, Fühlen und für den Glauben von Frauen interessiert. Ein Schuldbekenntnis von Seiten der katholischen Kirche steht noch aus, denn wie sehr wurden und werden Frauen abgewertet, missachtet und diskriminiert bis zum heutigen Tag.“
Einer der wenigen Frauen, Mechthild von Magdeburg (zirka 1207 bis 1282), gedenken wir am Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August. Der Vorname Mechthild ist Programm, „Mechthild“ ist Althochdeutsch und bedeutet „kraftvolle Kämpferin“. Vermutlich stammt Mechthild aus adeligem Hause und hatte schon als junges Mädchen tiefe religiöse Erlebnisse.
In jener Zeit des Hochmittelalters beeinflussten der weltliche Minnegesang und die geistliche Auslegung des alttestamentlichen Hoheliedes der Liebe durch den Ordensmann Bernhard von Clairvaux die tiefen spirituellen Erfahrungen insbesondere von Frauen. Jenes alttestamentliche Hohelied der Liebe preist die sinnliche Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, die sich aneinander freuen. In der Mystik wurde diese Begegnung dann umgedeutet auf die tiefe Liebe der menschlichen Seele zu Gott.
Diese tiefen Seelenerfahrungen schrieb Mechthild von Magdeburg auf Anraten ihres klugen Beichtvaters auf Mittelniederdeutsch nieder. Ihr Werk nannte sie „Fließendes Licht der Gottheit“. In ihm vermählt sich die Seele mit Christus. Diese geistliche Hochzeit beschrieb Mechthild von Magdeburg mit tiefen sinnlichen Bildern.
40 Jahre lang lebte Mechthild als Begine in Magdeburg. Die Beginen waren Frauen, die in geistlichen Gemeinschaften lebten. Sie waren entweder unverheiratet, verwitwet oder auch teilweise noch verheiratet.
Die Beginen legten kein Ordensversprechen, kein Ordensgelübde ab und stellten sich in den Dienst für Arme, Alte und Kranke und in den der Erziehung von Mädchen, und all dies soziale Engagement zog seine Kraft aus dem Gebet.
So schrieb Mechthild: „Dies Gebet hat (eine) große Kraft, das ein Mensch leistet mit all seiner Macht. Es macht ein saures Herz süß, ein trauriges Herz froh, ein armes Herz reich, ein dummes Herz weise, ein blödes Herz kühn, ein krankes Herz stark, ein blindes Herz sehend, eine kalte Seele brennend.“
Auch ich wünsche nicht nur den Christenmenschen, dass sie sich von der Kraft des Gebetes inspirieren lassen, damit auch wir uns in den Dienst des Göttlichen für eine gerechtere und bessere Welt stellen.

aus: BKZ vom 13.08.2022