von Carsten Wriedt

„Fürchte dich nicht…“: So beginnt die Verheißung Gottes an sein Volk, die der Prophet Jesaja aussprechen darf: „Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43,1)
Wir alle sind es gewohnt, einen Namen zu tragen, mit dem wir uns vorstellen, der ein Stück unserer Persönlichkeit wird. Wie aber dieser Name ausgesprochen wird, darin ist oft schon eine Botschaft enthalten: Die Höflichkeit oder die Dringlichkeit, die Wertschätzung oder auch die besondere Intimität einer vertrauten Beziehung. Der unvergleichbare Klang des ausgesprochenen Namens ist also nicht nur die Anrufung des Gemeinten, sondern zugleich auch die Identifizierung des Rufenden und somit ein wesentlicher Bestandteil der Mitteilung.
In der Ostererzählung des Johannesevangeliums (Johannes 20,11 ff) denkt Maria von Magdala beim Anblick eines Mannes, er sei der Gärtner. Dieser aber ist der auferstandene Christus, der jedoch nicht von seiner Auferstehung erzählt (zum Beispiel: „Ekennst du mich denn nicht, ich bin es doch: Jesus“). Er schaut Maria nur an, dann nennt er ihren Namen, Maria. In diesem Namen erklingt für Maria ihre ganze Beziehung zu dem Freund Jesus und sie kann erwidern: „Rabuni – Meister.“
Dieser innige Moment am leeren Grab ist das besondere Kennzeichen des christlichen Glaubens: Im Anliegen Jesu, unsere „communio“, die Gemeinschaft mit ihm und untereinander zu bilden, geht nie die persönliche Beziehung zu jedem Einzelnen verloren. So, wie Christus uns anspricht, erkennen wir ihn und merken auch zugleich, dass er genau uns meint, auch wenn noch mehr Menschen den gleichen Namen führen. Darum wird in der Taufe der Name genannt: Damit werden wir für uns selbst erkennbar, wenn Gott diesen Namen ausspricht, wenn er uns anspricht.
So ruft er – gerade in dieser Zeit – jeden Namen an: „Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) In allem Osterjubel, in aller Freude bitte ich Sie um Ihr Gebet für den Frieden: „Erlöse uns von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen.“

aus: BKZ vom 16.04. 2022