Rechtzeitig zu den Weihnachtsgottesdiensten hat Orgelbaumeister Tilman Trefz noch ein Register in die Orgel der Christkönigskirche eingebaut: die „Vox humana“ – übersetzt: die „Menschliche Stimme“. Die gebrauchten Pfeifen dieses Registers treten im Brustwerk an die Stelle eines anderen Registers, das bei der Sanierung der Orgel im Jahr 2019 seinen Platz geräumt hat und aus Gründen der besseren Nutzbarkeit seine Aufstellung an einer andere Stelle der Orgel, im „Schwellwerk“, gefunden hat.

Auf dem Bild unten sind die Vox-humama-Pfeifen in der ersten Reihe zu erkennen. Sie haben über dem „Stiefel“, in dem ein Messing-Zungenblatt schwingt und den Ton erzeugt, einen kurzen zylindrischen Aufsatz als Schallbecher. Man bezeichnet diese Art von Register auch als „kurzbechrige Zungen(-register)“. Der kurze Becher sorgt für einen zarten, obertonreichen Klang. Der kurze Becher hat aber noch einen weiteren Vorteil: An dieser Stelle der Orgel eingebaut sorgt er dafür, dass der Klang der hinter ihm noch eingebauten weiteren Orgelpfeifen gut aus der Orgel herausklingen kann, und dass der Orgelbauer – etwa zum Stimmen – die hinteren Pfeifen gut erreichen kann.

Die Vox humana ist ein besonderes Register – der Name lässt es bereits erahnen. Zusammen mit dem Tremulanten, einer technischen Vorrichtung, die den Orgelwind leicht schwanken lässt und so das Vibrato der Gesangsstimme nachahmt, entsteht ein besonderer, oft als anrührend empfundener Klang. Dass es sich bei der Vox humana nicht um ein normales Register handelt, zeigt auch die Sage um dieses Register in der Gabler-Orgel in der Basilika in Weingarten: Für das Gelingen des Registers habe Joseph Gabler seine Seele dem Teufel verschrieben.

https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/die-vox-humana-der-gabler-orgel-in-weingarten-100.html

Der erste Eindruck nach dem Einbau der Pfeifen: der Klang ist eine deutliche Breicherung im bisherigen Klangspektrum der Christkönigs-Orgel. Beeindruckend ist vor allem die Möglichkeit, dieses neue Register mit den anderen im Brustwerk zu mischen. So entsteht nicht nur eine neue Einzel-Farbe, sondern eine ganze Palette von Farbnuancen. Und im Ensemble der bisherigen Zungenregister (Trompete, Oboe und Krummhorn) bringt die Vox humana eine bisher nicht vorhandene zarte Stimme ein.

In den Weihnachtsgottesdiensten und im Silvesterkonzert wird die neue/gebrauchte Vox humana immer wieder zu hören sein, außerdem demnächst auch in einem Video auf dem Youtube-Kanal der Kirchegemeinde.