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Von Pfarrer Wolfgang Beck
Was mich im Moment gedanklich beschäftigt, ist – wie kann man es nicht anders erwarten – die Coronasituation. Die Inzidenzen sind hoch, viele Schüler und Schülerinnen sind in beinahe jeder Klasse betroffen, dieser Tage war ich in einem Seniorenheim, auch da wieder Quarantänemaßnahmen.
Was mir zu schaffen macht, ist auch die Hoffnung und das Wiedervorantreiben  unseres gesellschaftlichen Lebens nach vielen Monaten vom menschlichem Abstandhalten, was ja eigentlich nicht nur für Ältere, besonders für Kinder und Jugendliche Folgen hat. Eine halbe Generation wird für immer wegbrechen, etwa in Sachen Jugendarbeit. Viele sind durch Corona an finanzielle Greunzen gekommen, und so unkompliziert wie uns die Hilfen verkauft werden, sind sie nicht. Noch immer wird mit der selben Verwaltungsmentalität auf Mensche reagiert wie vor Corona. Es geht mir diesbezüglich nicht mal besser mit meinen kirchlichen Verwaltungsstrukturen.
Was ich jetzt dazu noch beobachte, nachdem auch gerade die Selbsttests knapp sind, die Leute werden immer noch nervöser. Manches Angiften und manche Rechnerei müsste nicht sein. Zumal das Leben ja nicht nur vernünftig und verstehbar ist, beziehungsweise um es locker fromm zu sagen, da ein anderer die Rechnung macht, der nicht nach unserem Denken handelt. Gelassenheit wäre hilfreich, trotz und mit aller Vorsicht natürlich. Menschlichkeit und Barmherzigkeit, so wie wir uns eben Gott vorstellen, wäre auch in schwierigen Zeiten ein guter Weg, auch ein wenig Hemdsärmligkeit, Spontaneität und Lockerheit täte gut, freilich nicht zu verwechseln mit Unvorsichtigkeit.
Und dann ist noch Advent, der mit Blick auf Weihnachten viel Sehnsucht in uns aufkommen lässt: nach Menschen, die wir vermissen, nicht beseitigte Streitereien, in Einsamkeit, in Nicht-angenommen-Sein, in Nicht-nach-Hause-kommen-Können, in Krankheit oder keinen Besuch mehr bekommen. Dieses Unerfüllte hält wach, macht offen für Gott, der sich ja auch zusagt, aber eben oft anders kommt, wie man es erwartet, und häufig erst erfahrbar wird, wenn wir uns gemüht haben.
Gelassenheit und Gottvertrauen, Barmherzigkeit und öfters mal über den Schatten springen und nicht genaues Rechnen, das wären hilfreiche Fastenvorsätze für den Advent, gerade in Coronazeiten. Denn wie gesagt, ein anderer macht die Rechnung.

in: BKZ  04.12.2012