von Michael Jungerth

Am Ende des Kirchenjahres werden uns in den Gottesdiensten Texte zugemutet, die vom Ende der Welt und des Lebens handeln. Die Apokalypse hat immer wieder Konjunktur. In den verschiedensten Szenarien droht der Welt dabei ein dramatisches Ende. Viele meiner Schülerinnen und Schüler wünschen sich die Apokalypse als Thema. In Filmen werden diese Bilder ja gerne aufgegriffen – höchst dramatisch und actionreich inszeniert, faszinierend und erschreckend zugleich.
Aber wie damit umgehen? Tatsächlich schleichen sich Ängste in unser Leben angesichts von Kriegen, Hunger, der Coronapandemie, Unsicherheiten und der eigenen Vergänglichkeit. Nicht wenige greifen diese Urängste auf und versuchen sie mit Verschwörungsmythen noch zu steigern. Andere glauben, das Ende der Welt stehe unmittelbar bevor.
Jesus dagegen sagt: Niemand kennt jenen Tag und jene Stunde, nur der Vater! Jesus ist fest davon überzeugt, dass Gott unsere Ängste und Begreunztheiten kennt und sieht, aber auch dass wir nicht aus Gottes liebendem Blick fallen. Gerade deshalb können wir immer wieder neu beginnen, in der Begrenztheit unseres Lebens auf die unbegrenzte Liebe Gottes zu vertrauen.
Vielleicht ist es auch gar nicht wichtig, zu wissen, ob das Ende der Welt nahe ist. Wichtiger scheint mir, dass Jesus geglaubt und vorgelebt hat, dass das Reich Gottes bereits da ist (in Markus 1,15 heißt es: das Reich Gottes ist nahe gekommen; Vergangenheitsform, also ist es da). Aber wo ist es? Wie kann man es finden? Das Reich Gottes ist immer dann lebendig und erfahrbar, wenn Menschen in der Nachfolge Jesu sich einsetzen für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, für Mitmenschlichkeit, für die Schwachen und Ausgestoßenen, für diejenigen, die leiden und zu kurz gekommen sind.
Wenn das stimmt, dann ist es auch unser Auftrag, das Reich Gottes immer wieder aufleben zu lassen. Solcher Einsatz nimmt hoffentlich den apokalyptischen Bildern ihren Schrecken.

in: BKZ, 13.11.2021