Wolfgang Beck, kath Pfarrer in Backnang
Wenn man mich fragt, wie es mir gerade geht, würde ich sagen, dass es mir an sich gut geht, aber dass mich die allgemeine Lage schlaucht: Die Coronapandemie, die ich am liebsten noch in dieser Stunde abschaffen würde und mir wieder ein Leben wie früher wünschte,- der Klimawandel, der mich beunruhigt, etwa die Waldbrände oder das schreckliche Hochwasser in Nordrhein-Westfalen, auch das, dass die Experten sagen, dass es die nächsten Jahre so weiter geht. Ich mach mir Sorgen um die Politik und die Demokratie, die immer mehr zerbröselt,-Wird es in Zukunft noch Solidarität und Gemeinsinn geben ?-, und ich mache mir Sorgen um die Kirche, die auch einige grosse Fehler gemacht hat und freilich, noch nicht konsequent umdenkt. Viele Reformen, auch im System wären notwendig. Freilich geht es um Inhalte, aber die müssen auch in guten Gefässen verfügbar sein.

Trotzdem macht mir Sorgen, dass das was Jahrhunderte getragen hat, relativ schnell nichts mehr wert zu sein scheint, und es durch mehr oder minder gute Ersatzweisheitslehrer über Bord geworfenwird. – Aber nochmals, das liegt auch an der Kirche selbst. Schließlich frage ich mich auch persönlich, ob ich Schritt halte mit den Veränderungen, ob ich sie akzeptiere und vielen,- nicht allen,- auch Gutes abgewinne?- Unsicherheit gehört jetzt neu zu meinem Lebensgefühl. Und trotzdem will ich Optimist bleiben. Der Glaube an Gott, an einen guten Gott fordert das geradezu von mir.

Letzte Dinge rechtzeitig regeln, so warb ein Bestattungsinstitut in einer meiner früheren Gemeinden. Dagegen erklärte ich den Mitarbeitern und manchmal auch anderen Menschen, man kann und soll auch nicht immer alles regeln. Man darf manches auch der Vorsehung Gottes überlassen. Manches erweist seinen Weg und vielleicht auch seinen Sinn zur rechten Zeit und am Ende ist es gut. Man darf Vertrauen ins Leben haben. Gott führt zum Guten und manches darf ich auch meinen Angehörigen überlassen, bzw der Zeit, oder der nächsten Generation, die dann das Sagen hat, wenn ich älter werde, oder die Dinge lenkt und auch Fehler wieder ausmerzt.

Das soll mich nicht zur Untätigkeit verleiten, aber doch zur Gelassenheit. Die scheint mir neben dem Vertrauen eine wichtige Tugend zu sein. Wichtig ist immer nur, sich auf die Anfrage des Augenblicks einzulassen. Mir fällt noch der von den Nazis umgebrachte Jesuitenpater Alfred Delp ein, der einmal sagte: Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, weil Gottes mit uns lebt.

aus: BKZ vom 07.08.2021