Von Ulrike Arlt-Herberts

Heute ist der Namenstag des heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556), dem Begründer des Jesuitenordens, des Ordens, dem auch der aktuelle
Papst, Papst Franziskus, angehört. Ignatius war ein Zeitgenosse Martin Luthers. Ebenso wie Luther war Ignatius auf der Suche nach dem gnädigen Gott. Martin Luther wurde seelische Befreiung durch die Bibel, durch den neutestamentlichen Römerbrief, zuteil, Ignatius erkannte seine Botschaft durch geistliche Lektüre, nachdem er im Krieg durch eine steinerne Kanonenkugel bei der Verteidigung Pamplonas gegen Frankreich schwer verwundet worden war. 1534 gründete
Ignatius schließlich die „societas Jesu“, die „Gesellschaft Jesu“, die Jesuiten.

In meiner Tübinger Studienzeit hatte ich einen spanischen Studienkollegen, der Jesuit war und mit dem ich auch nach dem Studium in Kontakt blieb. Als ich eine Zeit im westfälischen Münster studierte, besuchte ich einen geistlichen Gesprächskreis der Jesuiten, die GCL (Gemeinschaft christlichen Lebens). Etwas, was Ignatius entwickelte und was die GCL weitergibt, ist das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, das davon geprägt ist, dass der gottsuchende Mensch, am Abend den Tag Revue passieren lässt und danach fragt, wie er oder sie Gott in allen Dingen erlebt habe. Es geht hierbei um die ganze Palette menschlichen Erlebens und Denkens: Ich lobe Gott, ich danke Gott, dem Allgütigen, und ich bitte Gott, die Wirklichkeit sehen zu können, wie sie ist. Ich schaue mit
liebevollem Blick auf den Tag und danke Gott für seine Barmherzigkeit. Wenn ich mich gegenüber Gott, dem Nächsten und an mir selbst schuldig gemacht habe, bitte ich um Verzeihung. Des Weiteren bittet der gläubige Mensch bei jenem Tagesrückblick um Entschiedenheit und Hoffnung. Auch lernte ich von Ignatius, dass es nicht auf das Vielschmecken, sondern auf das Verkosten der Dinge ankommt. Ignatius kann uns Hamsterrad-Menschen demnach vieles lehren: Schau genau hin, Mensch, sagt er uns. Verweile und sei nicht von der Sorge erfüllt, etwas zu verpassen. Gehe in die Tiefe, denke viel nach, bleibe bei einem Gedanken und gehe mit diesem um. Suche nach der Wahrheit des Lebens, gehe in die Tiefe und sei liebevoll im Umgang mit dir selbst. Ignatius lehrt uns darüber hinaus auch Barmherzigkeit, insbesondere mit unseren Nächsten: „Eines der Dinge, in denen wir uns gründen müssen, um unserem Herrn zu
gefallen, wird darin bestehen, alle Dinge von uns zu weisen, die uns von der Liebe zu den Brüdern [und Schwestern] trennen können, indem wir uns mühen, sie mit herzlicher Liebe zu lieben.“
Wir sind also gut damit beschäftigt, fromm zu werden.

aus BKZ vom 31.07.2021