Herzliche Einladung zum zweiten Konzert von BACK WITH BACH am Freitag, 6. August 2021 um 20 Uhr in der Christkönigskirche mit Peter Kranefoed (Winnenden). Er schaut in seinem Konzert nach Süden und spielt Bach-Stücke, die von der italienischen Musik inspiriert sind und Stücke von italienischen Musikern, die er bearbeitet. Näheres dazu lesen Sie hier, im Programmheft.

Neu: Für das Konzert ist kein Nachweis über Impfung, Genesung oder Test mehr notwendig. Für das Konzert werden die Kontaktdaten erfasst, daher empfiehlt es sich, rechtzeitig zu kommen. In der Kirche gelten dann die üblichen Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen. Eine Anmeldung für dieses Konzert ist nicht erforderlich.

Peter Kranefoed stammt aus Münster in Westfalen und studierte Kirchenmusik, Orgel und Dirigieren in Stuttgart, Boston und Freiburg. Zu seinen Lehrern zählen Ludger Lohmann und James David Christie (Orgel), Dieter Kurz (Chorleitung) und Scott Sandmeier (Orchesterleitung). Von 1995 bis 1997 war er Kirchenmusiker an der Auferstehungskirche in Münster, 1998 bis 2002 Organist an der Blumhardt-Kirche in Bad Cannstatt. Während seines Aufenthaltes in den USA von 2002 bis 2004 unterrichtete er Orgel am Boston Conservatory sowie am College of the Holy Cross in Worcester, Massachusetts, und wirkte als Organist an der Chapel of the Holy Spirit in Weston, Massachusetts. Seit 2004 ist Peter Kranefoed Kirchenmusiker an St. Karl Borromäus in Winnenden, außerdem Leiter verschiedener Chöre, Orchester und Ensembles sowie Dozent für Erwachsenenbildung im Fachbereich Musik an der Winnender Volkshochschule. Umfangreiche Konzerttätigkeit als Organist, Cembalist und Dirigent führte ihn bereits in viele Länder der Erde.

 

Bach und der italienische Stil

Nach Lübeck, Hamburg und Lüneburg konnte Bach wandern. In Italien war er nie. Dass sich dafür keine Gelegenheit geboten hat, muss Bach gewurmt haben. Italien war mindestens bis 1700 die europäische Musiknation. Die neuesten Sonaten von Corelli oder die Concerti des „roten Priesters“ aus Venedig, von Antonio Vivaldi, waren unter Komponisten und Musikliebhabern hochgehandelt.

Aber Bach hatte Glück. Sein Dienstherr in Weimar, Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar, hatte einen musikalisch hochbegabten Neffen, Johann Ernst von Sachsen-Weimar (1696–1715). Dieser studierte als junger Mann in Utrecht (1711–1713) und hatte Kontakte nach Amsterdam, dem Zentrum des Musiknotendrucks in Europa. Von dort brachte er Vivaldis Konzerte mit an den Weimarer Hof – sicher sehr zur Freude des Hoforganisten und Kammermusikers Johann Sebastian Bach. Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar war ein ernstzunehmender Musiker und Komponist. Er wurde nach seiner Rückkehr aus Utrecht ab 1713 von Johann Gottfried Walther, dem Stadtkantor in Weimar, unterrichtet. Und Johann Sebastian Bach schaute dem jungen Prinzen beim Komponieren wahrscheinlich ebenfalls über die Schulter. Bach arrangierte sogar einige der Konzerte des Prinzen für Cembalo oder Orgel (BWV 592), vielleicht in memoriam nach seines frühen Tod 1715.

Die Bearbeitungen der Concerti Vivaldis (BWV 593 und 596) lässt sich zeitlich wahrscheinlich genauer eingrenzen: Von Juli 1713 bis Juli 1714 war der junge Prinz in Weimar am Hof, 1715 ist er bereits verstorben. Wahrscheinlich fällt Bachs Transkription in genau diese Zeit. Das Spielen von italienischen Concerti scheint regelrecht Mode gewesen zu sein in Weimar zu dieser Zeit, auch von Johann Gottfried Walther sind etliche Bearbeitungen von Concerti von Torelli, Albinini, Vivaldi u.a. bekannt.

Den typische cantablen Stil der langsamen Mittelsätze der italienischen Concerti verwendet Bach erstaunlicherweise auch für den Mittelteil von BWV 564 (Toccata – Adagio – Fuge), was völlig singulär ist. Normalerweise bestehen diese Werke immer aus dem Paar „Toccata und Fuge“. Einen langsamen Mittelsatz hinzuzufügen ist ein echtes formales Experiment. Auffallend ist in dem Adagio auch die häufige Verwendung des „neapolitanischen Sextakkords“, der in der neapolitanischen Oper des 17./18. Jahrhunderts besonders beliebt war.

Dass sich die Stilbereiche „Norddeutschland“ und „Italien“ nicht strikt trennen lassen, dass vielmehr das typische an der deutschen Musik des 18. Jahrhunderts und insbesondere Bachs die Vermischung der Stile ist, zeigt das Nebeneinander von (italienischer) Ritornell-Form und hyper-virtuosem (norddeutschen) Pedalsolo im ersten Satz des Werkes, in der Toccata (BWV 564).

Dass Bach höchst interessiert an den neuesten Produktionen aus Italien war, leuchtet ein. In Bach Notenbibliothek befand sich aber auch ein Exemplar von Girolamo Frescobaldis „Fiori musicali“ von 1635, einem Klassiker der frühren Orgelmusik. Frescobaldi war Organist am Petersdom und der erste wirklich bedeutende Orgelkomponist. Die Fiori Musicali bestehen aus 47 liturgischen Kompositionen, vor allem für die katholische Messe. Dort findet sich eine Canzon dopo la pistola (Kanzona nach der Epistel-Lesung), deren Thema Bach in seiner Canzona BWV 588 zitiert. Typisch für die Canzona (auch schon bei Froberger, Buxtehude u.a.) ist die Verarbeitung desselben Themas zuerst im geraden Takt (4/4) und dann im ungeraden (3/2). Und typisch italienisch ist die Adagio-Schlusswendung, wie sie auch bei Corelli oder bei italienisch komponierenden Händel stehen könnte. (RS)