Von Josef Klein

Wir wissen erschreckend wenig. Wir wissen nicht genau, was wir tun. Diese beiden Aussagen finde ich treffend für das, wie ich das Leben unter Coronabedingungen erlebe. Wie in einem Forschungslabor müssen wir experimentieren, um den richtigen Weg zum Ziel zu finden. Das Ziel kennen wir, den Weg dahin nicht. An diesem Experiment beteiligen sich viele. Manche denken quer, weil sie einen anderen Weg für besser halten. Manche denken verquer, weil sie ein Weltbild zeichnen, dem jede Erfahrung fehlt. Viele in Regierungen, Verwaltungen, Polizei, Medien ringen darum, in diese chaotische Situation eine Richtung zu bringen. Bei all dem Chaotischen gibt es eine Gewissheit. In Kliniken leiden und sterben Menschen, betreut von Fachpersonal, das oft Übermäßiges leistet.

Das Chaotische, also das nicht planbare und zielgerichtete Handeln, das Durcheinander von Überzeugungen und Fakten fordert uns heraus. Dass das Leben uns immer auch ungeplante, nicht erwünschte Ereignisse beschert, erfahren wir im persönlichen Bereich, etwa bei schwerer Erkrankung oder Arbeitslosigkeit. Corona macht deutlich, auch gesellschaftlich können wir nicht alles steuern und kontrollieren. Das macht Angst. Doch woher kommen Mut und Vertrauen, das Leben auch mit den chaotischen Seiten meistern zu können?

Eine Antwort finde ich in der Auszugsgeschichte Israels aus der Sklaverei. Mose und das Volk zeigen Mut und brechen auf in ein Land voll „Milch und Honig“. Sie werden enttäuscht und müssen in der Wüste dürsten und hungern. Wie hart, chaotisch war es für all die, die aufgebrochen sind, jedoch nie das gelobte Land erreichen durften. Aber ihre Kinder und Enkel durften dort leben, hatten eine Zukunft ohne Sklaverei. Diese Erzählung macht mir Mut, vertrauensvoll Schritte nach vorne zu gehen.

Auch Jesus lebt voll Vertrauen auf die Zukunft in seinem Glauben an Gott, der die Menschen liebt. Jesus musste sterben, zwischen Verzweiflung („Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“) und Vertrauen („Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“). Aber Gott als liebender Vater weckt Jesus auf: Glaube über den Tod hinaus. Der Glaube über den Tod hinaus macht vielen Mut und gibt ihnen Vertrauen.

Diese Glaubenserfahrungen verbindet die Hoffnung, dass wir und unsere Kinder und Enkel eine lebenswerte Zukunft haben. Denn Gott hat uns das versprochen.

aus: BKZ vom 15.05.2021