Die Caritas wird heftig kritisiert, weil sie einem allgemeingültigen Tarfvertrag für die Pflegebranche nicht zugestimmt hat. Das hat zur Folge, dass für hunderttausende Pflegerinnen und Pfleger in meist privaten Einrichtungen der Mindestlohn nicht in Stufen um 25 Prozent steigt.

Aus der Stellungnahme des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. (01.03.2021):

„Einordnung des „Nein“ der AK auf Bundesebene zum vorgelegten Flächentarif Altenhilfe
Das Ziel von guten Arbeitsbedingungen in der Pflege teilt die Caritas mit der Diakonie, der Gewerkschaft ver.di, der Gemeinschaft der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und der Bundesregierung. Hierfür stehen bespielhaft die gemeinsamen Bemühungen im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege. Die Caritas, die Diakonie und der öffentliche Dienst zahlen seit Jahren die höchsten Löhne in der Altenhilfe. Ebenso kümmern sie sich im Rahmen der Pflegekommission auch darum, das alle Beschäftigten in der Altenhilfe höhere Löhne bekommen. Ebenso wichtig wie höhere Löhne sind für die Beschäftigten passgenaue Arbeitszeitmodelle.
Der sogenannte“Tarifvertrag Altenhilfe“ wird auch in unserer Bewertung diesem Ziel nicht annähernd gerecht. Ausgehandelt von ver.di mit der BVAP (Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche, vertritt knapp 6 Prozent in der Altenhilfe), sollte er nach der Vorstellung von Arbeitsminister Heil für „allgemienverbindlich“ erklärt werden, also für alle 1,2 Millionen Beschäftigte in der Pflege gelten. Wir teilen Befürchtungen, dass sich mit einer solchen Allgemeinverbindlichkeitserklärung die Situation der Beschäftigten in der Pflege nicht verbessern, sondern im Gegenteil verschlechtern würde.
Warum?
-Bei genauerem Hinsehen handelt es sich keinesfalls um ein grundständiges Tarifwerk, sondern im Grunde lediglich um eine Erhöhung des Mindestlohns in
der Pflege. Eine betriebliche Altersversorgung fehlt darin ebenso wie passgenaue Arbeitszeitmodelle oder die Regelung von Überstundenzuschlägen;
-die allermeisten Beschäftigten in der Pflege, die im öffentlichen Dienst, bei Caritas oder Diakonie angestellt sind, verdienen um einiges mehr als es der
„Tarifvertrag Altenhilfe“ vorgesehen hätte. Dieser liegt etwa 10 Prozent unterhalb des AVR- bzw. TVöD-Niveaus. Ein für allgemeinverbindlich erklärter
„Mini-Flächentarif“ auf so niedrigem Niveau hätte womöglich auf lange Sicht alle Dynamik gebremst, die notwendig ist, um die nach wie vor eklatante Kluft
zwischen den Tarifniveaus zu überwinden;
-nicht zuletzt stand zu befürchten, dass die Kostenträger sich zukünftig an dem deutlich niedrigeren Niveau des „Tarifvertrags Altenhilfe“ als Norm orientieren
und die Mehrkosten der Einrichtungen nicht mehr refinanzieren, die höhere Löhne zahlen, wie Caritas und Diakonie. Wir wollen aber unseren
Mitarbeitenden in der Pflege weiter gute Löhne zahlen!“

Die vollständige Stellungnahme der Caritas findet man hier.

Eine kritische Stellungsnahme von katholischen Sozialethiker:innen zum Beschluss der Caritas kann man hier nachlesen.