Was uns die Coronapandemie sagen könnte

Das Licht leuchtet in der Finsternis,
so das Johannesevangelium zu Anfang. Und im Epheserbrief: Gott hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.

Ich habe ein paar Antworten zusammengestellt, die mir in den letzten Wochen von Theologen begegnet sind.

Stephan Langer (Freiburg), der neue Chefredakteur von „Christ in der Gegenwart“, schreibt: Das bürgerliche Weihnachten ist geschrottet. Im Heimligen und Vertrauten hat sich das Unheimliche breit gemacht. Langer erzählt vom Aufschrei Friedrich Spees von Langenfeld im 17. Jahrhundert, der in dem Lied: Oh Heiland reiß die Himmel auf, die ganze Not seiner Zeit während des 30jährigen Krieges dem Herrgott drängend und mit Gewaltausdrücken hinwirft. Gott muss handeln! Langer: Unser Leben ist brüchig. Im Gegenteil zum gewohnten Gelingen gilt es das Wagnis der Verwundbarkeit einzugehen, so zitiert er die Würzburger Theologin Hildegund Keul. Gott wird ein Kind, das heißt er wird verletzbar und angreifbar und muss sich Herz und Himmel zerreißen lassen. Auch die Angst der Hirten, der Magier, Josefs und Marias haben Platz in der Heilsgeschichte.
Wir haben uns durch die letzten Jahre gut darüber hinweggetäuscht, in dem alles unter das Machbare und in die Verfügung des Menschen gestellt wurde, so Willibald Stronegger (Graz, Sozialmediziner) in der selben Ausgabe dieser Zeitschrift, allerdings zum Thema Selbstbestimmung im Blick auf den Tod. Das Scheitern und auch der Tod gelten als medizinisches Versagen und das Sterben wird vom Menschen selbst bestimmt. Stronegger plädiert dagegen vor das Geheimnis des Lebens zu treten, dem Leben gegenüber zu treten.
Pater Anselm Grün (Münsterschwarzach) schreibt im katholischen Sonntagsblatt: Das Wichtigste ist, dass wir einander beistehen. Trost heißt für ihn stehenbleiben, die Tränen, die Verzweiflung und die Ängste wahrnehmen.
Der Jesuit Klaus Mertes (St.Blasien, Berlin) bemerkt: Man muss die Ängste genau ansehen. Das könne man von der Psychologie lernen. Man muss hinschauen, die Ängste analysieren: Vor was genau haben wir Angst und ist diese Angst begründet? Ist es die Angst des Kaufmanns vor der Quarantäne, die Angst vor Strafe der Gesellschaft oder die Angst etwa als Einrichtungsleitung seiner Einrichtung Schaden zuzufügen. Man kann nicht nur den Primat der Abstandsregeln pflegen, manchmal muss man auch Nähe zulassen. Die Schwächeren der Gesellschaft trifft es eh stärker. Man muss unbegründete Angst überwinden und die Geschundenen umarmen. Mir scheint da auch eine gedankliche Nähe zum Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble zu sein, der ja auch Werte höher und tiefer einordnet und meint, Freiheit steht höher als Gesundheit.
Erzbischof Franz Lackner (Salzburg) sagt: Nicht alles kommt von Gott, aber man muss alles aus den Händen Gottes annehmen und vertrauen, dass Gott doch irgendwo einen Sinn hinter allem Preis gibt.
Der griechisch-orthodoxe Pfarrer Pater Lazaros Kagelidis (Leonberg, Herrenberg) schreibt: Die Verbundenheit, die in der Coronakrise zutage tritt, lässt uns wieder klarer sehen, worin unsere Hoffnung besteht und woraufhin wir leben.
Pater Jan Roser (Jesuit, München) schreibt in seinem Weihnachtsgruß: Es gibt Wichtigeres als Gesundheit und Erfolg und zitiert die Amsterdamer Jüdin Etty Hillesum, die 1943 ermordet wurde, dass das Wichtigste ist, Gott einen Wohnsitz in unserem Innern offen zu halten, mit ihm zu reden.Der Körper ist nur ein Ort für tausend Ängste und Verbitterung.
Der Karmeltit Reinhard Körner (Birkenwerder, Berlin) äußert: Die Coronapandemie kann uns lehren, das Leben mehr wert zu schätzen, jeden Augenblick, jede Begegnung und neu und anders mit der Welt umzugehen. Demut allem Leben gegenüber ist angesagt. Zudem, sagt er, wird sichtbar, dass wir als Welt vor Gott stehen, dass wir eine Gemeinschaft sind über Glaubensgrenzen hinweg, und dass es uns immer um das Wohl aller Menschen und Nationen gehen muss. „Jesus ist zur Welt gekommen“ meint auch, dass wir Christen und alle Menschen sein Lebensmodell leben müssen, weil sein Leben für uns und alle Menschen die beste Form ist.
Das baut auch eine Brücke zu denen im neuen Jahrzehnt anstehenden Fragen zu Nachhaltigkeit und Umwelterhaltung.

Zusammenfassend gilt sicher, dass es nicht nur darum gehen kann, dass die Krise schnell vorbei ist. Wir müssen sie zu einer Wegmarke der Menschheit machen, sie deuten, ihre Botschaft hören, mit Gott durch die Krise herausgefordert ins Gespräch zu kommen.

Das Licht leuchtet in der Finsternis (Joh 1,5).

Wolfgang Beck