Von Pfarrer Wolfgang Beck, katholische Kirche

Jetzt brauchen wir nochmals einen langen Atem. Die Coronapandemie ist noch nicht im Griff. Es gibt zwar Hoffnungszeichen am Horizont – Impfungen, die getestet werden. Aber über Weihnachten hinaus, vielleicht auch noch im Februar, werden wir mit Einschränkungen leben müssen. Das fällt uns schwer. Erst wurde uns Ostern genommen, jetzt ist Weihnachten getrübt.

Erstaunt war ich dieser Tage, als anläßlich eines 85. Geburtstags die Frau neben ihrem Mann sitzend sagte: „Wir haben’s doch schön, obwohl wir nicht raus können, können wir hier im Warmen sein.“

Ich musste schmunzeln. Das ist beinahe wie Galgenhumor. Die Frau meinte es aber ernst. Man muss eben in allem noch was Schönes sehen und das genießen können.

Heute ist der Nikolausvorabend, auch ein Grund zur Freude, denn der Nikoalus bringt Freude und hilft. Den Kindern erkläre ich jedesmal nach der Verteilung der Gaben: Gut sein lohnt sich. Das wird nicht vergessen, und ist wichtiger als das Böse, das wir getan oder auch erlebt haben.

Das Gute zählt am meisten, mehr als das Böse. Man muss die schönen Dinge sehen und die kleinen Freuden genießen. Das Meiste und Wichtigste im Leben ist eh Geschenk, nicht machbar, nicht unser Verdienst. Es ist Glück. Warum sollte man also mit dem Wenigen, das man hat oder beeinflussen kann, nicht großzügig umgehen. Es ist immer weniger als das, was man geschenkt bekommt. Das freilich darf man auch genießen, muss man vielleicht sogar, in solch schweren Zeiten.

aus:BKZ vom 05.12.2020