Von Pfarrer Wolfgang Beck

Einnorden muss man den Kompass. Umgangssprachlich meint man auch jemandem oder etwas die Richtung zu geben. Auch wir müssen uns Einnorden mit unserm Leben, sonst treiben wir durch die Zeit und den Raum. Der Tübinger Professor für Altes Testament Fridolin Stier (+1981) schreibt am 15.April 1970 in sein Tagebuch ( Vielleicht ist irgendwo Tag ): D.Bonhoeffer und der französische Pfarrer fragen sich,“was wir mit unserem Leben eigentlich wollten“. Der französische Pfarrer: “Ich möchte ein Heiliger werden.“ Bonhoeffer: “Ich möchte glauben lernen.“ Was will ich eigentlich mit meinem Leben? Spontan, ohne abzuwägen, ob ich´s treffe: „Ich möchte sehen ( lernen).“

Am Sonntag feiern die Katholiken Allerheiligen, ein Fest das im Osten bis ins 4. Jahrhundert zurückgeht und im Westen seit dem 7.Jahrhundert gefeiert wird. Es ist wie ein „Erntefest“ menschliches Lebens, wenn wir uns erinnern an Menschen, die uns viel geschenkt haben, aus deren Leben wir leben. Dabei sind es nicht nur Familienangehörige oder auch nicht nur uns bekannte Personen. Manche, ja die meisten, kennen wir nicht, und sie fragen auch uns, welchen Weg gehst du? Reihst du dich ein in die Schar derer, die für andere leben? Geht in dein Leben ein Licht ein, nach dem du unterwegs bist? Bist du aufmerksam? Hörst du den Ruf, siehst du, was an deine Sinne dringt? Bist du Schüler des Lebens geblieben, oder weißt du Bescheid und hast bereits Ohren und Augen geschlossen?

Die Kirche möchte Sie einladen, am Sonntag und am Montag, Allerseelen, sich dankbar an Menschen zu erinnern, die Ihnen Gutes getan haben. Diese aber stellen die Frage an Sie: Wie ist mein Leben eingenordet? Bin ich auf meinem Lebensweg ein Schauender und Lernender geblieben?

aus: BKZ vom 31.10.2020