Erntedank – ein Familiengottesdienst im Garten von Christkönig ist angekündigt, der erste seit dem Lockdown im März, also nach mehr als einem halben Jahr. Wir freuen uns. Das Wetter ist sonnig und windig, wir ziehen uns warm an und fahren nach Christkönig. Doch dort: Der Garten ist geschlossen. Ein Schild verweist darauf, dass der Gottesdienst in die Kirche verlegt wurde. Schweren Herzens tragen wir uns in die Liste ein und suchen einen Platz mit drei blauen Klebepunkten. Alle besetzt. Nein, nicht von Familien, sondern von Ehepaaren und Alleingekommenen. Ich suche weiter, vielleicht wenigstens zwei blaue Klebepunkte, nicht ganz hinten, die Kinder wollen etwas sehen. Wir werden fündig, schälen uns aus einer paar Klamotten. Die Familien, so auch wir, tragen Maske, der Rest eher nicht. Im Freien hätte mich das nicht gestört. Warum sitzen wir nochmal in der Kirche? Draußen scheint die Sonne. Der Gottesdienst beginnt, es wird gesungen. Die meisten ohne Maske, sie müssen ja keine tragen. Die Frau hinter mir hustet, auch ohne Maske. Ein kurzer Familiengottesdienst war uns versprochen, die Kinder dürfen etwas zum Erntedankteppich beisteuern. Es geht um Franziskus und um Erntedank. Meine Gedanken aber schweifen ab. Ich möchte Gottesdienste mit möglichst geringem Risiko feiern. Es wäre doch, meiner Meinung nach, so einfach möglich. Ich möchte, dass das, was überall gilt – Abstand halten und Maske tragen –, auch in der Kirche gilt. Wovor hat die katholische Kirche Angst? Angst, die letzten Gottesdienstbesucher*innen mit konsequenten Hygienekonzepten zu vertreiben? Mir scheint vielmehr, dass die aktuell geltenden Regeln viele daran hindern, (sorgenfrei) einen Gottesdienst zu besuchen. Sie haben das Nachsehen und dazu zählen viele Familien. Wie entgegenkommend wäre angesichts dessen ein Gottesdienst im Freien. Nach einer halben Stunde wird meine Dreijährige zapplig. Sie bewegt sich weg von unseren Klebepunkten. Ich schwitze in den zu warmen Klamotten. Der Wortgottesdienst ist vorüber, nun folgt noch die Eucharistiefeier. Wie lange soll das hier noch dauern? Ich versuche meine Jüngste aus ihrer Jacke zu holen, darüber wacht sie auf. Draußen scheint die Sonne und ich beschließe, endlich zu gehen.

Aus Kirchenlust am Morgen ist Kirchenfrust, nein, eigentlich mehr, ist eine tiefe Traurigkeit über eine verlorene Glaubensheimat geworden. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir alles, was wir für unsere Kinder außerhalb der Kirchenmusik und Katechese haben wollen, ehrenamtlich stemmen müssen. Wir haben uns vergangene Woche zwei Stunden zusammengesetzt und über Hygienekonzepte für Familien- und Kindergottesdienste nachgedacht. Und wir haben uns gefreut, dass für uns als Familien auch endlich wieder Platz in der Kirche oder vielmehr im Garten der Kirche ist. Aber da ist kein Platz mehr. Nach einem halben Jahr sind wir offensichtlich ein verzichtbarer Teil dieser Gemeinde geworden. Das frustriert nicht in erster Linie, das macht mich traurig.

Draußen scheint die Sonne. Es ist ein wunderbarer Herbsttag. Gott hört uns auch draußen zu. Wir gehen Kastaniensammeln auf dem Plattenwaldspielplatz. Und nächstens vielleicht zu den Freiluftgottesdiensten der evangelischen Kirchengemeinden, wo übrigens grundsätzlich mit Maske gesungen wird.

(Andrea Batzel-Kremer)