Dieses Jahr sind die Ostertage wie in keinem Jahr zuvor. Wir müssen Ostern quasi alleine feiern und jeder muß eine eigene Form dazu finden. Ein winziges Virus zwingt uns dazu. Ich werde oft gefragt, ob es denn sonst nichts gebe, außer offenen Kirchen, die Gebete im Internet, die Gebetszeiten durch Glockengeläut, die Gottesdiense im Fernsehen. Dabei sind wir Menschen auf Gemeinschaft angelegt, auf ein Du, hinter dem das große Du Gottes steht, als der „Ich bin da“.
Dieser Glaube ist in diesen Tagen sehr herausgefordert und ruft uns in ein persönliches stilles Antwortgeben hinein.

Gedanklich gehen wir die Kartage mit:

Gründonnerstag mit der Deutung des Lebens Jesu, als Leben für uns, nochmals sichtbar gemacht im Johannesevanglieum im Zeichen der Fußwaschung: Leben ist Dienst Gottes für uns und Dienst und Liebe von uns für die Welt. Gebrochenes Brot für uns aber ist nichts Statisches, es will geteilt werden. So sieht Jesus sein Leben als verschenktes, als Nahrung, als tägliches Da-Sein, als Ausdruck der Liebe Gottes.

Karfreitag ist der Tag des Todes Jesu.Auch im Alltag denken wir an Todestage unserer Familienmitglieder und oft, so erfrage ich es bei Trauergesprächen, ist dieser Tag eingebettet in die Familiengeschichte mit Geburtstagen, Hochzeitstagen, Todestagen. Der Tag des Todes Jesu ist eingebettet in die Menschheitsgeschichte und ist verbunden mit Aufbruch. In er tiefsten Nacht menschlicher Existenz, in einem zu Unrecht verurteilten und für die Mitmenschen hingegebenen Leben, offenbart sich Gott. Gott ist in der Nacht des Todes, des Leidens. Diese Erfahrung kann nur im Hinterher gesehen werden und verlangt einen Dennoch-Glauben. Hiob sagt: „Doch ich weiß mein Erlöser lebt. Als Letzter erhebt er sich über dem Staub. Ohne meine Haut, die so zerfetzte, werde meinen Gott ich schauen.“ Auch die Liturgie des Karfretitags endet offen, ohne Segen, auch ohne Kommunion. Aushalten und warten, das steht an Karfreitag an.

Am Karfreitag wird jeweils ein Kreuz in den beiden Kirchen zur Verehrung ausgestellt. Blumen dürfen gerne mitgebracht werden.

Der Karsamstag ist eigentlich ein Trauertag, der Tag der Grabesruhe.

Osternacht und Ostern macht eine Dimension auf, die menschliche Vorstellungen übersteigt und man kann sie auch nicht mit Bildern füllen. Karl Rahner sagt am Ende seines Lebens, daß der Tod nicht verharmlost werden darf, in dem Sinne, daß man meint, alles geht so weiter wie bisher, nur auf einer anderen Ebene. Nein, der Tod ist der radikalste Abbruch zur Welt. Und die Erfahrung des Lebens danach, die Auferstehung, bleibt ein Versuch, ein Wagnis und eine persönliche Erfahrung.

Insofern hat dieses verrückte Jahr mit der Corona-Pandemie doch etwas das uns ins Mark trifft, auch im Glauben: Mein persönliches Glaubenswagnis und meine Erfahrungen sind gefragt, und nicht machbar oder ersetzbar durch eine wunderschöne Liturgie oder ein gemeinschaftliches Gebet. Es badarf meines Mutes und meiner Hoffnung, dennoch zu Glauben. Vielleicht kann man im Leben solche Zeichen schon sehen, wenn etwa jemand sein Leben für eine andern hingibt, ohne etwas dafür zu wollen, in der Liebe oder einfach, in dem Man sich freut, wenn man vielleicht nur einen Sonnenwirbel, ein Löwenzahn sieht oder den Vollmond.

Das Vielleicht spielt in der Bibel auch eine besondere Rolle, etwa bei der Heuschreckenkatastrophe und der Hoffnung auf Gott beim Propheten Hosea und beim Propheten Joel, vielleicht kehrt der Mensch um und Gott hilft. Das Wort Vielleicht bringt Hoffnung zur Sprache.

Fridolin Stier ( +1981 in Tübingen) schreibt am 3. November 1971 in sein Tagebuch:

Vielleicht…

Aus dem Spalt
in der Wand
des Alls
in das finstere
Verlies
brach plötzlich
o schön!
ein Schein
und schwand.

Ist vielleicht?
Ist irgendwo?
Vielleicht
ist
irgendwo
Tag.

( In: Vielleicht ist irgendwo Tag,, S. 108)

Sie sind herzlich eingeladen, das Licht der Osterkerze ins eigene Haus zu holen. Die brennenden Osterkerzen finden Sie in der St. Johanneskirche sowie in der Chriskönigskirche.

Wolfgang Beck