Von Pfarrer Wolfgang Beck, Backnang

Eigentlich wollte ich die Katholiken dazu aufrufen bei der Kirchengemeinderatswahl diesen Sonntag zu wählen, was ich dennoch jetzt tue, man soll bis zum Wahlnachmittag Briefwahl machen und das Couvert ganz unkompliziert mit der ausgefüllten Karte in den Briefkasten in eines der Pfarrbüros werfen. Aber Corona hat uns alle erfasst, wenigstens mental, freilich zurecht. Und sicher haben die Warner jetzt recht, man muss persönliche Kontakte weitest möglich vermeiden, Abstand voneinander lassen in Warteschlangen, nur dahin gehen, wo es wirklich im Moment wichtig ist, hinzugehen. Man muss so weit es geht, die Ausbreitungskurve verlangsamen, auch wenn es statistisch die meisten von uns sicher nimmt, wenn auch nicht sofort.

Für mich kommen da auch noch andere Gedanken. Die Fastenzeit vor Ostern bekommt dieses Jahr eine ganz eigene Dynamik. Die soziale Enthaltsamkeit ist wohl das , was uns von außen auferlegt wird, als unser Fasten im Jahr 2020. Diese Art hätte ich mir beileibe nicht ausgesucht. Aber so ist es nun. Ich denke auch an die Heuschreckenplage im Buch Joel des Alten Testaments, wo deshalb zu Busse und Gebet aufgerufen wird. Vielleicht kann dies auch ein Aspekt werden in dieser Zeit: die Chance mit sich und Gott ins Gespräch zu kommen, vielleicht auch mit Gott zu hadern, sich mit der letzten Frage des Lebens auseinanderzusetzen. Weil jede Frage am Ende sich zeigt als Frage nach dem Letzten, als Wort der Sehnsucht. So beschreibt es einmal der Jesuit Alfred Delp bei seinem letzten Advent im Jahr1944.

Und man ist gefordert auch sozial zu handeln. Manfred Lütz, Theologe und Psychologe, sagte bei Markus Lanz im Fernsehen diese Woche: Man kann auf Gottesdienste verzichten, aber nicht auf soziales Handeln. Man soll sich Zeit nehmen für Anrufe und für Kontakte im Internet, niemand wenigstens auf diese Weise allein lassen und man mus aufeinander achtgeben, einander helfen, auch beim Einkauf.

Ich wünsche Ihnen jetzt in diese Zeit hinein viel Zeit für sich, für Ihr Nachdenken und vielleicht auch für ein Fragen nach Gott. Vielleicht sind auch die Kirchenglocken zu den Angelus- und Gebetszeiten ein Anruf innezuhalten.

aus: Backnanger Kreiszeitung, 21.03.2020