Gespräch zwischen Weihbischof Schneider und der Initiative „Kirchenfrust – Kirchenlust“

Weihbischof Gerhard Schneider konnte den vielfältigen Frust, den die etwa 30 Teilnehmer des Gesprächsabends am 6.11. im Gemeindehaus Johannes äußerten, gut verstehen und dieses Verständnis nahmen ihm die Anwesenden ab. Er war gekommen, um als neuer Weihbischof zuzuhören. Zu Beginn stellte er sich vor und überbrachte viele Grüße von Bischof Fürst an unsere Gemeinden. Bischof Fürst habe unseren Brief mit den Unterschriften erhalten, bekomme zur Zeit sehr viel mehr Post wie früher. Deshalb habe er als Antwort für alle, die ihm einen Brief oder Karte schreiben, eine Broschüre mit dem Titel „Sagen Sie mal, Herr Bischof“ auflegen lassen. Weihbischof Schneider brachte uns einen ganzen Stapel dieser Broschüre mit, der an dem Abend verteilt wurde.

Weihbischof Schneider machte deutlich, dass er in der Kirche Veränderungsbereitschaft wahrnehme. Das Diakonat der Frau hält der Weihbischof als Reform für realisierbar, das Priesteramt für die Frau dagegen zur Zeit nicht. Er betonte weiter, dass in der Kirche noch nicht alles umgesetzt würde, was durch das II.Vatikanische Konzil möglich wäre.

Viele Anwesenden äußerten sich sehr frustriert und enttäuscht, dass Änderungen in der Katholischen Kirche so lange dauern und so kleinschrittig seien, dass man von außen kaum eine Veränderung erkennen könne. Es wurde deutlich, dass die Erwartungen der Anwesenden sehr viel größer sind. So führe das Festhalten am männlich zölibatären Priester zu Priestermangel mit der Folge, dass viele Gläubige nicht mehr regelmäßig in ihrer Heimatgemeinde Gottesdienst feiern können. Betont wurde auch, dass es 2 bis 3 wirklich große, einschneidende Veränderungen geben müsse, damit die Kirche wieder glaubwürdig werde. Es sei auch zu befürchten, dass sonst noch mehr Kirchenmitglieder die Kirche zuerst innerlich, dann äußerlich verlassen würden.

Auch machten die Äußerungen von zwei Jugendlichen sehr deutlich, wie weit die Hierarchie der Kirche von den Erfahrungen und Vorstellungen der kirchlich aktiven Jugendlichen entfernt ist.

Bei dem Thema synodaler Prozess wurde kritisch angemerkt, dass zwar viele Laien an den Papieren mitarbeiten dürfen. Sollten dann am Ende aber mehr als ein Drittel der deutschen Bischöfe dagegen stimmen, gilt das Dokument als abgelehnt. Das zeige, dass die Kirche demokratische Prinzipien nicht akzeptiere.

Weihbischof Schneider wies im Sinne von Papst Franziskus auf Jesus Christus hin, an dessen Leben wir uns in der Kirche orientieren sollen. Der Weihbischof sagte zu, die Anliegen der Gesprächsrunde in der Runde mit dem Bischof einzubringen.

Insgesamt hat das Gespräch einige Anwesende frustriert, viele Anwesende ermutigt, an der Basis das zu tun, was – im Sinne Jesu Christi – zu tun sei!

Michael Jungert, Josef Klein, Monika Schwartz