„Nicht fern vom Reich Gottes“

Von Josef Klein, Religionslehrer, Kath. Kirche

„Was wirklich zählt auf dieser Welt, bekommst du nicht für Geld.“ So Udo Jürgens in einem seiner Songs. Das heißt jedoch nicht, dass Geld keine wichtige Rolle im Leben spielt, ganz im Gegenteil.

Mit Geld finanzieren wir unsere Wohnung, unser Essen und die Kleidung. Geld brauchen wir auch, um am kulturellen Leben teilzunehmen. Das Bildungs- und das Gesundheitssystem müssen finanziert werden. Ohne Geld keine Möglichkeit zu reisen, fein zu speisen, sich modisch zu kleiden – und was an Luxus sonst noch möglich ist. Man bekommt schon viel Gutes fürs Geld.

Aber zählt all das, was man für Geld bekommt, nicht „wirklich“? Was zählt dann aber in Wirklichkeit, also in Wahrheit?

Udo Jürgens singt von Freundschaft, Treue, Liebe. Auf die Wichtigkeit der Liebe hat Jesus hingewiesen mit der Aussage, du sollst Gott lieben und den Nächsten lieben wie dich selbst (Mk 12,28-34). Liebe wird verstanden als Ausdruck der Verbundenheit zwischen Menschen, für die man dann Gutes tut. So führt das wechselseitige Tun des Guten aus Liebe zu einem erfüllten Leben. Jesus nennt das „nicht fern vom Reich Gottes“ sein.

Geld kann eines der Mittel sein, Gutes zu tun für mich und für andere.Wenn aber Geld so verteilt ist, dass vielen Menschen, nicht nur in Deutschland, dieses Gute vorenthalten wird, ist das ein Skandal. Denn viele Arme werden ausgeschlossen und bleiben unterversorgt, eine Folge ungerechter Wirtschaftsstrukturen. Eine ganz extreme Folge davon: Obwohl die produzierten Nahrungsmittel ausreichen, die Weltbevölkerung zu ernähren, stirbt alle 5 Sekunden ein Kind an Hunger. Dass Menschen in solchen Umständen nicht leben wollen, einige s0gar fliehen, ist sehr verständlich.

Kirchliche Hilfswerke wie „Misereor“ und „Brot für die Welt“, wie „Diakonie“ und „Caritas“, unterstützt vom Geld vieler Gläubiger, arbeiten daran, Menschen in die Lage zu versetzen, ein gutes Leben führen zu können. Jesus nennt das vermutlich „nicht fern vom Reich Gottes“ sein.

In: Backnanger Kreiszeitung vom 31. 08. 2019