Du hast mich bei meinem Namen gerufen

von Pastoralreferentin im Schuldienst Ulrike Arlt-Herberts

Es ist wichtig, dass der Mensch einen Namen hat.

Es ist wichtig, dass der Mensch um seinen Namen weiß. Im schulischen Religionsunterricht befassen sich die FünftklässlerInnen damit, was ihr Name bedeutet, wer ihren Namen trug, wer ihr Namenspatron bzw. Namenspatronin ist. Manchmal erfahren die Schüler erst im Religionsunterricht, was ihr Name eigentlich bedeutet. Sie erfahren, dass das hebräische Wort „adama“ („von der Erde genommen“) zu einem Namen wurde, nämlich „Adam“.

Was wir heute Taufnamen nennen, geht auf einen Theologen zurück, der sich viel mit Gott und der Kirche auseinandersetzte. Dieser Theologe hatte einen komplizierten Namen: Johannes Chrysostomus. „Johannes“ heißt „Gott ist gnädig“ und „Chrysostomus“ heißt „Goldmund“. Diesen Namen gaben ihm aber andere. Dieser Johannes Chrysostomus forderte damals, das war im 4. Jahrhundert nach Christus, die Eltern auf, sie sollten ihrem Kind einen Namen von Märtyrern geben, also von Menschen, die bereit waren, für ihren Glauben an Jesus Christus zu sterben. Doch setzte sich der Gedanke von Johannes „Goldmund“ erst viele Jahrhunderte später durch. Damit war auch verbunden, dass der Gedenktag des Heiligen (der Heiligen) als Namenstag gefeiert wurde.

Am morgigen Sonntag ist der Gedenktag für die Heilige Klara von Assisi (ital. Chiara). Sie war eine Zeitgenossin von Franz von Assisi. Der Heilige Franziskus und die Heilige Klara lebten beide im 12. und 13. Jahrhundert. Der wesentlich ältere Franziskus war wahrscheinlich eher der „Bauchmensch“, die adelige Klara vermutlich eher die Reflektierte und überaus Gebildete. Beide, Franziskus und Klara, verstanden, wer sie sind, und zwar durch die Begegnung mit Christus. Beide wollten eine arme und demütige Kirche, eine Kirche der Armen, eine Kirche der Barmherzigkeit, eine Kirche, die sich nicht der klerikalen Macht und narzisstischen Verblendung hingab. Klara von Assisi, ihr Name ist Programm, bedeutet doch ihr Name die „Klare“ und Entschiedene, die mutige Frau, die alles hinter sich ließ, die liebevolle Seelenschwester des Heiligen Franziskus, die Löwin, eine kraftvolle und starke Frau, trotz einer jahrelangen Lähmungserkrankung.

Die Heilige Klara gründete in der Tradition der Franziskaner einen Frauenorden, den Orden der Klarissinnen. Als die Heilige Klara 1253 starb, gab es bereits 111 Klöster: 68 in Italien, 21 in Spanien, 14 in Frankreich, acht im Heiligen Römischen Reich; gegen Ende des 14. Jahrhunderts waren es über 400 Klöster in Europa. Ihr Sterbegebet wurde überliefert und lautet folgendermaßen: „Geh hin in Sicherheit und Frieden, du meine gebenedeite Seele, du hast ein gutes Reisegeleit. Er, der dich erschaffen hat, hat dich immer geliebt wie eine Mutter ihr Kind, und er hat dich geheiligt. Und du, Herr, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast.“

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie zu Ihrem Namen und zu Ihrer Person ja sagen können, sind Sie doch ein geliebtes Kind Gottes.

in: Backnanger Kreiszeitung vom 10. Aug. 2019