Weihnachtsfriede – Silvesterkonzert

Von |24.12.2018|Kategorien: Gesamtkirchengemeinde|

Herzliche Einladung zum Silvesterkonzert, 31.12.2018 um 22 Uhr in der St. Johanneskirche. Hier können Sie die Erläuterungen zum diesjährigen Programm „Weihnachtsfriede“ lesen.

Et in terra pax

„Und auf Erden: Friede den Menschen seines Gefallens“. Das ist es, was die Engel im Weihnachtsevangelium versprechen, nein: verheißen. Und Friede meint hier nicht nur, dass gerade kein Krieg wütet. Friede ist in der Bibel das umfassende Heil, ein Leben ohne Schaden und Unvollkommenheit, ein Leben in Sicherheit, in dem die Schwachen geschützt werden und wo auf das Wohlergehen aller Menschen geachtet wird.
Der Friede spielt überhaupt eine zentrale Rolle im Christentum: als durch Jesus erfolge Versöhnung der Menschen mit Gott und der Aufforderung, im zwischenmenschlichen Miteinander und mit der ganzen Schöpfung Frieden zu schaffen.
Das diesjährige Silvesterkonzert klingt von der Sehnsucht nach diesem umfassenden Frieden – und von seinem Gegenteil.

Ein barockes Schlachtengemälde

Der erste, der auf die Idee kam, eine Schlacht mit Musik nachzustellen, war Clément Jannequin. Im Jahr 1528 hat er ein Werk mit dem Titel „La guerre“ komponiert und eine lange Reihe von Nachahmern gefunden – bis hin zu Beethovens „Wellingtons Sieg“ oder Liszts symphonischer Dichtung „Die Hunnenschlacht“.
Im 16. bis 18. Jahrhundert sind diese Stücke unter dem Titel Battaglia meist dreiteilig: Aufstellung des Heeres (frühmorgens), der eigentliche Kampf (mittags) und die Siegesfeier (abends), und sie verstehen sich als Chronik der Geschehnisse; man könnte ohne weiteres an einer Gattungsgeschichte der Battaglia die Militärgeschichte der europäische Neuzeit nacherzählen.
Für unser Gefühl ist die völlige Abwesenheit einer kritischen Haltung in den Battaglias einigermaßen irritierend. Die Battaglia ist in der Barockzeit eine Gute-Laune-Musik, aktivierend und anstachelnd. Ein tragisches Ende ist nicht vorgesehen.

Johann Caspar Kerlls (1627–1693) Battaglia lässt zudem ausgerechnet die friedfertige Orgel die kriegerischen Töne anschlagen. Das Stück berauscht sich am Trompetengeschmetter und feiert am Schluss den errungenen Sieg über die Feinde im beschwingten Dreiertakt.

Streiten für den Frieden

Die gregoriansche Antiphon Da pacem Domine stammt aus dem 9. Jahrhundert.
Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen,denn es ist kein anderer, der für uns kämpfen könnte,als du, unser Gott.
Jan Pieterszoon Sweelinck war die prägende Gestalt in der Orgelmusik um 1600 in Nordeuropa und bis heute der vielleicht bedeutendste niederländische Komponist überhaupt.
Sweelinck umrankt die Choralmelodie mit kontrapunktischen Gegenmelodien, die zudem oft noch miteinander durch Imitationen verzahnt sind. Sie lassen nicht nur ein kunstvolles Gespinst aus abstrakten Linien entstehen, sondern bilden manchmal auch sprechende musikalisch-rhetorische Figuren aus: Kleine Fanfaren in an den Stellen, wo es im Text der Antiphon „pugnet“/„kämpft“ heißt (Variatie 1 und 2 ), und siegestänzerische Dreiertakte (Variatie 3).

Fiasko mit Musik

Der Österreichischen Erbfolgekrieg hatte acht Jahre lang weite Teile Europas in Mitleidenschaft gezogen. Im Oktober 1748 ist in Aachen endlich ein Frieden geschlossen worden. Für den englischen König Georg II. der Anlass, im April 1749 ein riesiges Fest-Spektakel mit Feuerwerk und Musik zu veranstalten. Händel sollte dazu eine „Feuer-Musik“ komponieren.
Das englische Aprilwetter ließ das als barockes Gesamtkunstwerk konzipierte Spektakel allerdings krachend scheitern: Die 101 Salutschüsse zu Beginn kamen nicht wie geplant, und so begann die Ouvertüre schon vor dem Feuerwerk. Ob die übrigen Sätze wie vorgesehen als Begleitmusik zum Feuerwerk gespielt wurden, ist unklar, denn das Feuerwerk selbst war ein kläglicher Misserfolg: Zum einen hatte es schon den ganzen Nachmittag geregnet, und zu allem Überfluss geriet dann auch noch ein Teil der Bühnenkonstruktion in Brand.
An dieser Stelle verzichten wir also lieber auf das Feuerwerk. Händels Musik reicht ja auch vollkommen!

Eine Stille Nacht

„Stille Nacht“ hat einen runden Geburtstag. Vor genau 200 Jahren ist das Lied zum ersten Mal gesungen worden, am Weihnachtsabend des Jahres 1818 in der St. Nikolaus-Kirche in Oberndorf, ein paar Kilometer nördlich von Salzburg.

Im Lauf der Zeit ist das Lied unzählige Male gesungen worden. Stille und Frieden herrschte wohl so gut wie nie, weder zu Weihnachten 1818 noch all die Jahre später unter den heimischen Weihnachtsbäumen. Und trotzdem ist es als würde beim Stille-Nacht-Singen ein Bannkreis des Frieden um die Singenden gezogen.
Eine der eindrücklichsten Geschichten derartigen Geschichten hat sich im Ersten Weltkrieg zugetragen: Von einer stillen Nacht konnten die Soldaten vor 100 Jahren nur träumen. Akustische Realität war vielmehr das Trommelfeuer, ein oft tagelanger, ununterbrochener Granat–-Beschuss. Es sei ein „Krach wie beim Weltuntergang“, ein „Höllenspektakel“, ein „höllisches Konzert“, notierte Ernst Jünger in seinem Tagebuch.

Das Lied schaffte das Unmögliche, es brachte an Heiligabend 1914 den Grabenkampf zwischen Deutschen und Briten in Belgien für einen Tag zum Stillstand. Deutsche hatten angefangen zu singen, und dann sangen Engländer plötzlich mit. Das führte tags darauf zu einem Waffenstillstand, nachdem ein deutscher Soldat die ‚Weiße Fahne‘ hisste und diese Friedensgeste von einem englischen Soldaten erwidert wurde. Die beiden Soldaten trafen sich in der Mitte des Schlachtfeldes und begrüßten sich per Handschlag. Anderen Soldaten wurden herbeigerufen und Frieden geschlossen – ohne Befehl von oben. Die Versöhnung gipfelte in einem freundschaftlichen Fußballspielund ging unter dem Begriff „Weihnachtsfriede“ in die Geschichtsschreibung ein.

Das Choralvorspiel über „Silent Night“ von dem Amerikaner Samuel Barber ist ein raffiniertes Stück. Es kombiniert die fast unveränderte Liedmelodie mit einem 7/8-Takt, was zu interessanten Verschiebungen führt. Das Lied erscheint wie auf unsicherem, wankendem Grund, als ob es um die Zerbrechlichkeit der Stille und des Friedens wüsste.

Der Choral von Leuthen

Zur Hundertjahrfeier der „Augsburger Konfession“ hat der ehemalige Leipziger Thomasschüler Martin Rinckart diesen Choral 1630 verfasst:
Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen.Der große Dinge tut an uns und allen Enden. Der uns von Mutterleib und Kindesbeinen anUnzählig viel zu gut und noch jetzund getan.
In der Zeit Friedrich des Großen, im Siebenjährigen Krieg erhielt das Lied seine Prägung als Dank-Lied für einen militärischen Sieg: Nach der Schlacht bei Leuthen (1757) lagerten die 25.000 erschöpften Kämpfer der preußischen Armee und sangen den „Choral von Leuthen“. Auch auf dem Schlachtfeld von Königgrätz sangen die preußischen Sieger 1866 „Nun danket alle Gott“.
Und dann 1914. Am 1. August versammelten sich Tausende vor dem Berliner Schloss, um auf den Ablauf des Ultimatums gegen Russland, der Schutzmacht Serbiens, zu warten. Nach Bekanntgabe der Mobilmachung des Heeres stimmte die Menge aus heute schwer nachvollziehbarer Kriegsbegeisterung „Nun danket alle Gott“ an.
Eine andere Prägung bekam das Lied 1955. Konrad Adenauer hatte kurz zuvor in Moskau die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen erreicht. Als sie im Durchgangslager Friedland bei Göttingen ankamen, sang man gemeinsam wiederum „Nun danket alle Gott“.

Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) nennt sein Choralvorspiel über das Lied im Untertitel „Marche triomphale“ und geht mit wilhelminischem Pomp zur Sache. Geschrieben hat er das Stück 1909, da hatten die Deutschen und das Lied noch einiges vor sich.

Vier Jahre später

„Im Kriegsjahr 1918“ steht unter dem Titel des Choralvorspiels von Felix Woyrsch (1860–1944), Chorleiter, Organist und später Professor in Altona.
Düster und inständig trägt die Musik ihre Bitte nach Frieden vor, als lasteten die vier Kriegsjahre auf den Klängen. Das zugrundeliegende Lied ist Martin Luthers Adaption der gregorianischen Antiphon, über die auch Sweelinck seine Variationen (s.o.) komponiert hat.

Mars und Venus

Mars und Venus waren ein Paar, ein sehr ungleiches allerdings. Mars ist „der Kriegsbringer“, wie es in Gustav Holst programmmusikalischem Werk Die Planeten von 1914 heißt, und Venus „die Friedensbringerin“.
Der Planet Venus ist der hellste Stern am Firmament ist. Wohl deshalb hat sie immer wieder eine tragende Rolle in der Mythologie gespielt. In der christlichen Überlieferung ist die Venus der „Morgenstern“ und damit ein Symbol für Christus, den herannahenden Gottessohn. (Man denke etwa an die Lieder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ oder „Morgenstern der finstern Nacht“.)
Das letzte Wort im musikalischen Jahr 2018 soll also Venus, der Morgenstern, haben. Hoffen wir, dass ihre Botschaft im neuen Jahr gehört werden wird

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